christian-unger.dev
DE EN

Projekte

Geodaten- und Datenprojekte

Ausgewählte Arbeiten aus Forschung, Studium und beruflicher Praxis. Der rote Faden: heterogene, oft fragmentierte Quellen in belastbare Datenmodelle und nachvollziehbare Analysen überführen. Links ein Projekt auswählen — die Auswahl bleibt sichtbar.

Masterarbeit · Note 1,7 · Geodatenmodellierung · Line-of-Sight-Analyse

Landschaftsarchäologische Untersuchungen zur preußischen optischen Telegrafenlinie

Rekonstruktion und raumbezogene Analyse einer historischen Kommunikationsinfrastruktur zwischen Berlin und Koblenz: Grundlagenrecherche und Datenakquise aus heterogenen historischen Quellen, Aufbau eines Datenmodells der Telegrafenstationen und Sichtbarkeitsanalysen auf Basis digitaler Geländemodelle.

Der Datensatz. 62 Stationen über rund 590 Kilometer. Jede Station ist einzeln quellenbelegt und mit Normdaten verknüpft — OpenStreetMap und Wikidata. Die Lagegenauigkeit ist pro Station ausgewiesen: 50 Standorte auf 10 Meter genau, 9 auf 30 Meter, 3 auf 50 Meter. Diese Angabe mitzuführen statt sie zu glätten, ist die Voraussetzung dafür, dass eine Sichtbarkeitsanalyse überhaupt belastbar wird.

Die Analyse. Zwei Verfahren auf dem europäischen Geländemodell EU-DEM v1.1 mit 25 Meter Auflösung: ein Intervisibilitätsnetz, das die gegenseitige Sichtbarkeit aller Stationen prüft, und Viewshed-Analysen, deren überlappende Sichtfelder mögliche alternative Standorte eingrenzen. Zwei Teilgebiete wurden mit hochauflösenden Geländemodellen nachgerechnet — Oschersleben mit 2 Meter, Menden mit 1 Meter Auflösung. Beide bestätigten die Ergebnisse der gröber aufgelösten Vorabanalyse.

Ebenen
Telegrafenlinie Station Alternativstandort Sichtverbindung Staatsgrenze Gewässer
Höhenlinien 30 m180420 m ü. NN und höher

Auf eine Station klicken für Höhe, Streckenkilometer, Lagegenauigkeit und Quellenbeleg. Die Sichtverbindungen sind das Ergebnis der Analyse, nicht der Streckenverlauf: 109 Verbindungen, deren gegenseitige Sichtbarkeit im Geländemodell geprüft wurde. Die Strichstärke entspricht der scheinbaren Größe des Ziels — dünne Linien waren die knappen Verbindungen. Das heutige Kartenbild zeigt, wo eine Station heute liegt: Siedlungsflächen, Wald, Gewässer und Hauptstraßen aus OpenStreetMap, für ganz Deutschland bis Zoomstufe 9.

Wo die Stationen sitzen

Die Linie verbindet die Stationshöhen; sie ist kein Geländeschnitt. Der Punktdurchmesser entspricht dem Sichtbarkeitsindex aus der Analyse. Ablesbar ist eine Standortlogik, die dem ersten Eindruck widerspricht: Je höher die Stationen sitzen, desto enger stehen sie. Auf den ersten 150 Kilometern durch die Mark Brandenburg liegen sie im Mittel 74 Meter hoch und 10,4 Kilometer auseinander; zwischen Kilometer 450 und 590 im Bergland 225 Meter hoch, aber nur noch 8,7 Kilometer. Höhe verlängert die Sichtweite nicht automatisch — im zerschnittenen Relief unterbrechen Kämme und Täler die Sichtlinie.

Quellen. Die Standortangaben stammen aus der Fachliteratur und sind je Station einzeln belegt: 43 nach Menning/Hendrich (2012), 16 nach Herbarth (1978), 3 nach Fuchs (2006). Eigenleistung sind die Zusammenführung zu einem konsistenten Datenmodell, die Georeferenzierung und die Sichtbarkeitsanalyse. Geländemodell: Copernicus EU-DEM v1.1. Grundkarte: Natural Earth. Orte: GeoNames (CC BY 4.0). Heutiges Kartenbild: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL). Die vollständigen Literaturangaben stehen im Impressum.

Poster (PDF)